Wer sich nicht auskennt in der Verbotsschilder-Branche, der wundert sich. Etwa vor dem Klo in einem Gasthaus in der Heide, wo das Blech-Schildlein "Urinieren nur für Verzehrgäste!!" hängt. Woher bekommt man so ein Schild? Geht der Wirt in einen Laden und sagt: "Grüß Gott, einmal das ,Urinieren nur für Verzehrgäste!!'-Schildlein in Blech, bitte"?

Weit gefehlt: Es gibt das Internet - und dort treiben sich auch Verbots-Freunde rum, die ihrem individuellen Drang zu immer detailversessenerer Maßregelung nachgehen. Wer als Laie durch den virtuellen Schilderwald schlendert, findet Schildergeneratoren (www.schilderwald.com) - Blech, Acryl, Aluminium, Holz, Marmor - oder wie hätten Sie es gerne?

Und plötzlich wird klar, woher der Autohändler in Wandsbek das Schild "Achtung! Scharfe Hunde bewachen Gelände! Überlebende werden strafrechtlich verfolgt!" haben könnte. Oder wie der Einzelhändler aus Eimsbüttel seine "Vor dem Schaufenster abgestellte Räder werden verschrottet!"-Warnung bestellt hat. Was können wir daraus lernen? Die deutsche Verbotskultur hat sich der kommunikationsarmen Gesellschaft angepasst. Die meisten finden es eben schön, nicht mehr mit Menschen diskutieren zu müssen, sondern nur noch stumm auf das Schildchen an der Wand zu deuten. Doch die Welt ist nicht ganz verloren.

Gibt es doch im Bezirksamt Nord noch Schildermaler, die nicht mit platten Verboten blaffen, sondern an die Menschlichkeit im Sünder appellieren. So wie auf dem Schild an einem Wasserbecken im Stadtpark: "Kluge Leute werfen keine Steine, Dosen und Flaschen ins Wasser, lassen auch keine Hunde oder Kinder darin baden. Im Übrigen ist es verboten, das Becken dafür zu benutzen. Bezirksamt Hamburg-Nord".

Quelle:
Abendblatt.de

Historisches Archiv · Nr. 169 vom 23.07.2001